Ralf Schaedler

Casting-Director

Musical-Zeitung.de: Sie sind einer der großen Musical-Darsteller. Zieht es Sie nicht öfter - vom Gefühl her- auf die Bühne zurück, als es Ihre Arbeit als Casting-Director zulässt? Anders gefragt: Vermissen Sie nicht die reine Arbeit auf der Bühne?

Ralf Schaedler: Ich glaube jeder Tänzer, Sänger oder Schauspieler hat seinen Beruf aus einer Berufung heraus gewählt... deshalb wird die Leidenschaft für die Bühne - auch wenn es den ein oder anderen irgendwann auf die andere Seite verschlägt- immer da sein. So ist das auch bei mir.
Ich mache meine derzeitige Arbeit mit demselben Einsatz und mit derselben Erfüllung - dennoch würde ich lügen, wenn ich behaupten würde, dass ich die Bühne nicht vermisse.
In meinem jetzigen Job gibt es ähnliche Herausforderungen, andere Herangehensweisen... dennoch ist die Essenz und die Qualität der Arbeit im Endeffekt doch recht ähnlich - erstaunlicherweise...
Aber was kann dem Gefühl einer gelungenen Vorstellung mit tollen Kollegen und einem berührten Publikum schon ersetzen...

Musical-Zeitung.de: Verraten Sie ein paar Kriterien, nach denen Sie Darsteller auswählen? Was ist Ihnen persönlich wichtig?

Ralf Schaedler: Ehrlichkeit- Leidenschaft - Authentizität - Qualität.
Wenn ich direkt - im Moment der Situation berührt bin!

Musical-Zeitung.de: Was raten Sie den Neueinsteigern der Branche, die als frische Absolventen einer Musicalschule in die Berufwelt starten?

Ralf Schaedler: Arbeiten! Erfahrungen sammeln! Gas geben!

Musical-Zeitung.de: Haben Sie es schon einmal erlebt, dass die Bewerber es Ihnen übel nehmen, wenn sie eine Rolle nicht bekommen? Wie gehen Sie damit um?

Ralf Schaedler: Natürlich habe ich das schon erlebt. Die Erfahrung ist insbesondere unangenehm, wenn ich den oder die Kollegen schon länger kenne (vielleicht sogar durch eine gemeinsame Produktion auf der Bühne).
Ich glaube, solange ich direkt und ehrlich argumentiere, gebe ich allen Kollegen die Möglichkeit nachzufragen - was meistens die Situation auflöst und entspannt.
Absagen nach Vorsprechen gehören leider genauso zum Geschäft wie Zusagen... Ich denke, alle Darsteller wissen, wie unangenehm und enttäuschend das oft ist - dennoch gehört es einfach dazu. Wir können über die Jahre nur lernen, nicht persönlich angegriffen zu sein.

Musical-Zeitung.de: Sie haben zusammen mit Whoopi Goldberg die Hauptdarstellerinnen für Sister Act ausgesucht. Was war das für Sie für eine Erfahrung, mit einem Filmstar so eng zusammenzuarbeiten?

Ralf Schaedler: Im Laufe der letzten Jahre hatte ich ein paar Mal das Glück, mit Größen wie Whoopie Goldberg arbeiten zu dürfen. Und die Erfahrung war eigentlich immer dieselbe. Darsteller in dieser Liga sind nicht umsonst dort oben angekommen. Es war inspirierend und unglaublich produktiv! Ich habe so viel gelernt und bin wieder einmal ein bisschen verliebt nach Haus gegangen nach diesem Tag.

Musical-Zeitung.de: Waren Sie vorher noch aufgeregt? Oder kennt man als Casting-Director kein Lampenfieber mehr?

Ralf Schaedler: Oh doch... natürlich bin ich aufgeregt, wenn ich mit Darstellern wie Whoopie arbeiten kann - zum Glück legt sich das aber auch recht schnell - eigentlich wie auf der Bühne - nach den ersten Takten kommt man in den Groove.

Musical-Zeitung.de: Welches ist Ihr Lieblingsmusical und warum?

Ralf Schaedler: Ich fürchte ich habe gar keines -
Das Genre Musical ist so breit, und es gibt so viele Möglichkeiten, die gar nicht vergleichbar sind.
Wenn sie mich fragen würden, welche meine derzeitige Lieblingsproduktion aus unserem Portfolio ist - wäre das WICKED. Ich habe aber vor kurzem auch AMERICAN IDEOT gesehen - was ich super fand -
Oder oder oder...

Stand: 02/2011